Meine erste Auszeichnung erhielt ich im Kindergarten. Ein Bilderbuch für das "liebste Kind". "Der Beste bekommt ein Stipendium", sagte dann in der Schule der Lehrer. Das bekam ich. Und wurde schon damals ein wenig nervös.
Doch auch in der Lehre schlug ich mich tapfer, erang einen Preis für den "saubersten Arbeitsplatz".
Die Eltern lobten mich sehr, nannter mich vor Nachbarn ihren "erfolgreichen Sohn". "Leistung, Leistung" foderte später mein Chef. Ich war es nunmehr gewohnt und lieferte sie. Fand selbst dann zur Ehe die anmutigste Frau, die mir die entzückendsten Kinder gebahr.
Revancierte mich durch das höchst Gehalt, das teuerste Auto. Und kaufte das familiengerechteste Haus in allerbesten Lage. Die Folge war der phänomenalste Streß, wie der anerkannteste Arzt, natürlich mein Hausarzt, bescheinigte. Er empfahl Sport.
Ich ging schwimmen. Durchschwamm das Becken in der kürzesten Zeit. Die anderen waren alle viel lahmer.
"Entspannung, keine Leistung!" mahnte der Arzt. "Vielleicht bekommt ihnen besser das Wansdern."
Darauf wanderte ich. Errang den Silbernen Schuh.
"Schon wieder ein Preis", seufzte der Arzt. "Da hilft nur noch eins. ganz abschalten. Fort aus der gewohnten Umgebung, die Leistung verlangt. Weit fort in Urlaub."
Ich fuhr mit dem Auto. Gemächlich, wie vom Arzt empfohlen. Bei Köln überholte mich einer. Ich hielt mich zurück. Bald dann ein zweiter, ein dritter. Ich wurde nervös.
Der vierte winkte mich auffordernd zu. Da gab ich Gas, überholte sie alle. "Dummkopf", schalt ich mich dann. "Ist das wohl Erholung?" Ich fuhr wieder langsam.
Die vier rückten auf. Ich sah ihr höhnisches Grinsen. Stets war ich der Beste gewesen. Hier aber nun nicht? Nur weil mein Arzt...
Ich gab Gas. Ließ sie weit hinter mir. War sehr nervös. Mein Herz machte Sprünge. Doch ich war der Beste. Ich fuhr wie im Traum, war schon nicht mehr ganz da, glaubte , ich sei ein Komet. Ein Flugzeut üer mir schien mir schneller als ich. Das durfte nicht sein! Der Beste war ich! Immer und stets! Ich schoß in den Graben. War für die Straße zu schnell. Vorbei mit dem Streß. Denn ich war tot. Die Ruhe tat gut.
Doch immer noch Streit um Rekorde. Mein Grab müsse das schönste in der Reihe sein, entschied meine Familie.
Auch der Pastor fand das verdient. "Ein ausgefülltes Leben", sprach er am Grabe von mir. "In allem der Beste. Uns Müden ein Vorbild."
Mir war es gleich. Schon seit drei Tagen hörte ich nicht mehr zu.